Das kostbare Geschenk

GeschnekDies ist eine wahre Geschichte von einem kleinen Jungen, der bei seinen Großeltern lebte. Sein Großvater war ein heiterer, geistreicher Mann, der ihm immer wunderbare Geschichten erzählte.

 

Eine der Geschichten handelte vom „Precious Present“, dem kostbaren Geschenk.
Das Kind war sehr aufgeregt und fragte seinen Großvater immer wieder, was für ein Geschenk das denn sei. Der alte Mann sagte, das werde er schon beizeiten herausfinden, aber es sei immerhin etwas, das ihm dauerhaftes Glück bescheren werde, wie er es nie zuvor erlebt habe. Nun, der Junge hielt die Augen offen, und als er zu Geburtstag ein Fahrrad bekam, das ihn sehr glücklich machte, nahm er an, dass es sich wohl um das Precious Present handeln müsse, von dem ihm sein Großvater erzählt hatte. Aber mit der Zeit langweilte ihn das neue Spielzeug, und er begriff, dass es wohl nicht das „kostbare Geschenk“ sein konnte, denn sein Grandpa hatte ihm ja gesagt, es werde ihm dauerhaftes Glück bringen.
Nun, der kleine Junge wuchs zu einem jungen Mann heran und lernte eine reizende junge Frau kennen, in die er sich bald verliebte. Endlich, dachte er: Das ist das Precious Present, das mir dauerhaftes Glück bringen wird. Aber die beiden bekamen Streit, wurden rastlos und trennten sich schließlich wieder.
Der junge Mann ging auf Reisen und schaute sich die Welt an, und an jedem neuen Ort glaubte er, jetzt habe er endlich das wahre Glück gefunden. Aber immer schaute er schon zum nächsten Land, zum nächsten schönen Ort, und dabei stellte er fest, dass sein Glück nie von Dauer war. Es war, als suche er etwas Unerreichbares, aber er suchte trotzdem weiter. Es machte ihn sehr traurig.
Irgendwann heiratete er, wurde Vater und stellte fest, dass er das Precious Present, von dem sein Grandpa ihm erzählt hatte, immer noch nicht gefunden hatte, und er war sehr enttäuscht.
Eines Tages starb sein Großvater, und mit ihm starb das Geheimnis des „kostbaren Geschenks“ – Das glaubte der junge Mann wenigstens. Betrübt setzte er sich hin und dachte an all die glücklichen Augenblicke, die er zusammen mit seinem weisen alten Opa erlebt hatte. Und da ging ihm nach all den Jahren des Suchens ein Licht auf. Was hatte sein Großvater denn an sich gehabt, dass ihn so glücklich, zufrieden und heiter gemacht hatte? Was hatte er an sich gehabt, dass man sich fühlte wie der wichtigste Mensch der Welt, wenn man mit ihm sprach? Wie hatte er sich mit einer so friedvollen Atmosphäre umgeben können, an der jeder teilgehabt hatte, der ihm begegnete?

DAS KOSTBARE GESCHENK

Das Presious Present war überhaupt kein Geschenk im materiellen Sinn des Wortes gewesen. Tatsächlich war Present die Gegenwart: heute – el momento – jetzt. Sein Großvater hatte im Augenblick gelebt, er hatte jede Sekunde ausgekostet. Nicht im Morgen oder im Übermorgen hatte er gelebt, denn warum sollte er seine Energie an etwas verschwenden, das vielleicht niemals eintreffen würde? Und mit dem Gestern hatte er sich auch nicht aufgehalten, denn das Gestern ist vergangen. Die Gegenwart ist die einzige Wirklichkeit, und um dauerhaftes Glück zu erreichen, muss man lernen, im Hier und Jetzt zu leben, sich keine Sorgen zu machen und seine Zeit nicht mit schweren Gedanken zu verschwenden.“

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